Warum du nicht disziplinlos sondern überfordert bist
Was das über dich aussagt und was nicht
Mona
zert. Ernährungsberaterin

"Bin ich disziplinlos?"

Eigentlich weißt du ganz genau, was dir gut tun würde. Zum Beispiel früher ins Bett gehen, ausgewogene Ernährung, aber auch körperliche Bewegung. Dein Kopf weiß das alles, da er schon genug dazu gelesen hat, Podcasts gehört und genug „Tipps“ gespeichert hat. Du weißt eigentlich alles, was dir helfen könnte, um ein besseres Leben zu haben. Und trotzdem passiert es immer wieder.
Der Moment, wenn dein Kopf voll ist und dein Körper ausgelaugt nach einem langen Arbeitstag ist. Heute hast du viele Entscheidungen getroffen und Verantwortung getragen. Du hast als Person im Berufsleben funktioniert. Aber was, wenn du abends nur als Belohnung zu der eigentlich abgeschworenen Schokolade greifst. Wie fühlst du dich dann? Enttäuscht von dir selbst oder vielleicht auch disziplinlos. Keine Sorge, du bist nicht allein, wir alle kennen das Gefühl von „wieder einmal nicht geschafft, stark zu bleiben“. Du nennst es vielleicht fehlende Kontrolle, fehlende Konsequenz oder auch fehlende Disziplin. Doch in Wahrheit fühlt es sich anders an. Nicht nach Schwäche, sondern eher nach Erschöpfung. Du willst alles im Griff haben, aber wünscht dir auch einfach mal loszulassen, ohne dich schlecht zu fühlen. Und irgendwo dazwischen stehst du, stark nach außen, aber zerrissen nach innen. Nicht, weil mit dir etwas nicht stimmt, sondern weil du zu lange versucht hast, alles gleichzeitig zu tragen.
Dieses Gefühl kennen viele Frauen. Besonders die, die nach außen alles im Griff haben. Erfolgreich im Job, organisiert und leistungsbereit. Frauen, die funktionieren. Und genau deshalb trifft sie dieser Gedanke so hart. Denn wenn selbst Disziplin nicht mehr funktioniert, was stimmt dann nicht mit mir?

Die unbequeme Wahrheit hinter dem Wort “Disziplin”

Hier kommt die unbequeme Wahrheit, die selten ausgesprochen wird. „Du bist nämlich nicht disziplinlos, du bist überfordert.“
Und Überforderung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hinweis darauf, dass dein System gerade zu viel trägt. Disziplin wird oft wie eine Charaktereigenschaft behandelt. Entweder man hat sie oder eben nicht. Doch die Wissenschaft zeigt seit Jahren etwas anderes. Selbstkontrolle ist keine unerschöpfliche Kraft. Sie ist abhängig von Stress, Schlaf, emotionaler Belastung und mentaler Daueranspannung. Wer permanent unter Druck steht, verliert nicht an Willen, sondern an Kapazität.

Wenn Funktionieren zum Dauerzustand wird

Vielleicht erkennst du dich hier wieder. Dein Tag beginnt schon früh mit Entscheidungen, Verantwortung und Erwartungen. Du bist erreichbar, präsent und lösungsorientiert. Dein Kopf arbeitet pausenlos und irgendwann, meistens gegen Ende eines Tages, ist einfach nichts mehr übrig. Keine Energie mehr für Sport, keine Klarheit für gesunde Entscheidungen und keine Geduld für dich selbst. Und genau dann nennst du es Disziplinlosigkeit.
Dabei reagiert dein Nervensystem völlig logisch. Dauerstress versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. Dein Gehirn versucht, Energie zu sparen und unangenehme Gefühle zu vermeiden. Aufschieben, Rückzug und Erschöpfung sind keine Fehler, sondern Schutzmechanismen. Dein Körper zieht die Handbremse, weil er nicht mehr kann.

Warum Härte dich nicht weiterbringt

Viele Frauen haben gelernt, genau diese Signale zu ignorieren. Einfach weiterzumachen, sich zusammenzureißen und noch effizienter zu werden. Doch dieser Weg führt nicht zu mehr Disziplin, sondern einfach nur tiefer in die Erschöpfung. Denn Druck erzeugt keinen Fokus, er erzeugt Widerstand.
Vielleicht hast du dir schon oft gesagt, dass du einfach härter zu dir sein müsstest, strenger und konsequenter. Aber was, wenn genau das das Problem ist? Studien zeigen, dass Selbstkritik Stress verstärkt und Selbstkontrolle weiter schwächt. Freundlichkeit hingegen stabilisiert. Nicht weichgespült, sondern regulierend.

Was du einer Freundin sagen würdest

Stell dir vor, du würdest dich selbst so behandeln wie eine gute Freundin. Du würdest ihre Erschöpfung ernst nehmen und ihr nicht sagen, sie müsse sich nur mehr anstrengen. Du würdest zuhören, Pausen erlauben und Prioritäten sortieren. Und genau das braucht auch dein System.
Überforderung zeigt sich nicht immer laut, manchmal ist sie ganz leise. Zum Beispiel in fehlender Motivation, in Entscheidungsmüdigkeit und in diesem dumpfen Gefühl, ständig hinterherzulaufen. Und je länger wir diese Signale ignorieren, desto schwerer fällt es, wieder ins Handeln zu kommen.

Mehr Disziplin ist nicht die Lösung

Der Weg heraus beginnt nicht mit mehr To-do-Listen, sondern mit Entlastung. Mit der ehrlichen Frage: Was ist gerade zu viel? Was kostet mich Energie, ohne mir etwas zurückzugeben? Und wo darf ich einen Gang zurückschalten, ohne mich dafür zu rechtfertigen?
Disziplin entsteht nicht aus Druck. Sie entsteht aus Sicherheit, aus Klarheit und aus einem Nervensystem, das sich nicht ständig verteidigen muss. Wenn dein Alltag realistischer wird, wird die Umsetzung leichter. Nicht perfekt, aber möglich.

Vielleicht kein Rückschritt, sondern ein Wendepunkt

Vielleicht ist dieser Text gerade ein kleiner Spiegel. Kein Vorwurf, sondern eine Einladung. Hör auf, dich zu beschimpfen. Fang an, dich ernst zu nehmen. Du musst dich nicht reparieren. Du darfst dich regulieren.
Vielleicht erinnerst du dich an Zeiten, in denen Dinge leichter gingen. Nicht, weil du disziplinierter warst, sondern weil dein Leben überschaubarer war. Weniger gleichzeitig, mehr Luft zwischen den Aufgaben. Damals hast du nicht ständig über Disziplin nachgedacht. Du hast einfach gehandelt. Genau das zeigt, dass mit dir nie etwas falsch war.

Überforderung ist kein Makel, sondern ein Signal

Überforderung entsteht schleichend. Ein Projekt mehr, eine Erwartung zusätzlich und ein inneres „Ich schaffe das schon. Bis der Körper irgendwann sagt: Jetzt nicht mehr. Und statt hinzuhören, setzen viele Frauen genau dort an, wo sie sich selbst verlieren. Mit noch mehr Kontrolle, noch mehr Selbstoptimierung und noch weniger Mitgefühl.
Doch echte Veränderung beginnt leise. Vielleicht heute Abend, wenn du dein Handy weglegen und einmal tief durchatmest. Wenn du nicht alles nachholst, sondern früher schlafen gehst. Wenn du dich nicht antreibst, sondern fragst, was du gerade brauchst. Diese kleinen Entscheidungen sind kein Rückzug. Sie sind Regulation.
Du musst dein Leben nicht komplett umkrempeln. Du darfst anfangen, dich selbst wieder mitzunehmen. Schritt für Schritt. Ohne Beweisführung. Ohne schlechtes Gewissen. Disziplin ist kein Kampf. Sie ist das Ergebnis von innerer Ordnung. Und die darf wachsen, in deinem Tempo. Du darfst damit beginnen, dir zu glauben.

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Mach’s gut – ciao ciao Mona von femEAT 🧡